Leopold Hemetsberger, geb. 1903 in Wien, verlebte seine Kindheit als Sohn eines Tischlermeisters in Puchberg am Attersee. Mit Holzarbeiten aufgewachsen, entschied sich Leopold zu einer Bootsbauer-Lehre beim Bootsbaubetrieb Haitzinger am Attersee.
Es gab nicht viele Bootsbauer in der Gegend. Die bekanntesten waren der Haitzinger am Attersee, der Ratz am Wolfgangsee und der Wintermayer am Mondsee. Dieser hatte 1890 das um 1850 gebaute Schiffsmeisterhaus N°221 direkt am Mondsee gekauft und dort seine Werkstatt eingerichtet, später aber seine Bootswerkstätte nach St. Lorenz verlegt.
Den jungen Bootsbauer-Lehrling Leopold faszinierte schon immer die Arbeit mit Holz, aber auch das Element Wasser hatte es ihm angetan. Nach seinen Lehr- und Gesellenjahren am Attersee zog es ihn nach Balatonfüred am Plattensee. Dort setzte er das Erlernte um, perfektionierte sein Können und lernte noch viel Neues dazu.
Mit diesem Wissen, dem Meisterbrief und der Spontanität der Jugend gerüstet, machte er sich auf zum Mondsee, den er von früheren Ausflügen kannte. Von Freunden hatte er erfahren, dass am Mondsee ein sehr engagierter Yachtclub sein Clubhaus erweitert hatte. Durch seine Lehrjahre beim Bootsbauer Haitzinger wusste er von den Vorzügen, sein Bootsbaugewerbe neben einem Yachtclub auszuüben. Arbeit gab es dort immer genug. Und das neue Clubgebäude war groß genug, um auch eine richtige Bootsbauer-Werkstatt darin zu integrieren.
Auch bei den Clubs am Attersee und Wolfgangsee, die bereits um einige Boote mehr besaßen, befand sich in nächster Nähe ein Bootsbauer.
So kam es, dass der junge Bootsbauer-Meister Leopold Hemetsberger 1928 sein Quartier im ersten Stock des Clubhauses bezog und seine Werkstatt im Erdgeschoß einrichtete. Bald schon waren seine Künste in Seglerkreisen begehrt. Arbeit gab es genug, an den Holzbooten war immer etwas zu richten, auszubessern oder zu erneuern. Die Yachtclub-Mitglieder waren engagierte Segler und legten großen Wert auf die Instandhaltung ihrer Boote. Nebenbei baute er auch Ruderboote, die er zum Verkauf anbot, aus Mahagoni-, Lärchen- und Eichenholz. Im Winter hatte Leopold eine besondere Aufgabe: Er musste für die Mitglieder des Yachtclubs das Eis zum Badengehen aufschneiden.
Auch hierbei trug er sein Markenzeichen, eine Bootsmanns-Mütze. Diese dunkelblaue Kappe trug Leopold ständig am Kopf, egal, ob in seiner Werkstätte oder am Weg in den Ort. An dieser Kappe erkannten ihn die Mondseer schon von weitem!
Unweit des Clubhauses steht heute noch die Villa Reiser, und gleich daneben das alte Holzhaus, das früher das Wohnhaus des Dienstmannes der Villa, des „Hauser Weli“ samt Familie war. Seine Frau war Köchin in der Villa, und noch heute kann man sich an ihre fantastisch gute „Böhmische Küche“ erinnern. Antonia Hauser, geborene Beier, kam aus Znaim nach Mondsee, wo sie den Weli kennenlernte. Bald schon waren die beiden ein Paar und nach einigen Jahren wurde auch Antonias Tochter, die in Znaim bei den Großeltern geblieben war, nach Mondsee geholt. Auch Emilie Beier wurde als Köchin engagiert, in der Villa Dr. Schalk. Der Weg vom Dienstmann-Haus zur Villa führte am Yachtclub vorbei. Und so blieb es nicht aus, dass sich der junge Bootsbauer Leopold und die äußerst attraktive junge Köchin Emilie über den Weg liefen.
Bereits im Jahr 1930 wurde geheiratet und Emilie zog in die kleine Wohnung im Yachtclub. Im selben Jahr noch beschloss Leopold, seine Ruderboote zu vermieten und beantragte den „Gewerbe-Schein zur Ausübung der Segel- und Ruderbootverleihung mit dem Standorte in Mondsee am Kai, Gemeinde Mondsee“, den er am 15. Oktober 1930 auch erhielt.
An der Kaipromenade, direkt neben der bereits bestehenden Ruderbootsvermietung von Frau Muthwill, entstanden neue Stege und Emilie verbrachte fortan die Sommermonate an der Kaipromenade, um die selbst gebauten Ruder- und Segelboote an Sommergäste zu vermieten. Ihr Leopold blieb in der Werkstatt und baute und reparierte weiter fleißig die Ruder- und Segelboote, natürlich auch die verschiedenen Typen von Segelbooten der Yachtclub-Mitglieder, zu dieser Zeit vor allem 20er-Rennsegler.
Leopold verstand sich auch auf Reparatur und Restauration von älteren Segelschiffen. Um 1930 kam die Hochseeyacht „Hanna III“, eine 40m²-Seefahrtsklasse, vom Eigner des Hotel Seehof/Pichl-Auhof, Herrn Dr. A. Apold zur Reparatur nach Mondsee. Das Schiff wurde von der Adria per Zug nach Seewalchen und von dort mit Ross und Wagen an den See gebracht, dafür wurden eigene Geleise und Takelleitern gebaut. Mit viel Engagement wurde das Schiff vom Bootsbauer restauriert.



